Bier zu verkosten und Kostnotizen zu verfassen gehört zu den schönsten Aufgaben im Rahmen meiner Tätigkeit. Vor allem, wenn es sich dabei um sehr gute handelt. Wie die vier neuen „New Era Pilsener“, die Ratsherrn am 15. August im Rahmen einer Pressekonferenz bzw. einer Launch Party für die Gastro vorgestellt hat. Dazu „Die Mutter aller Ratsherrn Pilsener“, das „Nordic“. Hier kommen meine Notizen, Der Biersepp und ich haben sie zusammen erstellt:

Session

Das Session zeigt sich in hellem Gold mit einer diskreten Opaleszenz. Oben drauf ein reinweißer, feinporiger Schaum, der lange bestehen bleibt. Das vitale Bukett besteht aus gelber Grapefruit, Honigmelone und grünem Tee. Die zweite Nase bringt einen Hauch Blumenwiesen-Heu, Zitronengras und Erinnerungen an eine Nektarine.

Der Antrunk lockt mit heiterem Prickeln. Das Session ist trocken, sehr schlank und macht einen guten Mund. Es ist schnörkellos und dennoch anregend. Das leichte, zugleich ausdrucksstarke Bier verabschiedet sich würdevoll: Der balancierte Ausklang währt, zumal für diesen Bierstil, ziemlich lange.

Dry Hopped

Das Pilsener – schon optisch eine Schönheit – strahlt leuchtend golden aus dem Glas. Der blütenweiße Schaum ist sehr fein und stabil.

Der intensive, fast greifbare Geruch gemahnt an weißen Pfirsich, saftige Hawaii-Ananas und getrocknete Zitronenspalten. Durchatmen. Dann ein Touch Basilikum. Schließlich wieder fruchtiges: Aprikose, Stachelbeere, weiße Johannisbeere.

Der Antrunk ist angenehm weich und zugleich lebendig. Die Fruchtigkeit des Dry-Hopped erschließt sich schnell im Mundraum. Dem folgt eine elegante, blumige Bittere (Die Hopfenöle kommen immer mehr zur Geltung).

Zum Schluss erinnert uns das Aufzeigen klassischer Bittere daran, dass wir uns – trotz opulenter Fruchtigkeit – im Pilsner Style bewegen. Dieses Bier vereint Tugenden intensiver Hopfigkeit mit der trockenen Klarheit der Pilsener Welt. Eine neue Verführung für eingefleischte IPA-Afficionados wie auch für den offenherzigen Pils-Freund.

Pfeffersack

Ein Blickfang: Strahlendes Gold und weißer Schaum. Die Nase ist aufregend schön und vor allem überraschend. Exotische Pfeffernoten und Kardamom bilden die Spitze eines wahren Gewürzbergs. Orientalische Nuancen umschmeicheln die Nase, wer die Augen schießt, wähnt sich im Gewürzbazar. Nach einer Weile treten fruchtige Noten hinzu, sie werden uns vom Hopfen beschert. Wir vernehmen Blutorange; reifen, rotbackigen Apfel, Granatapfel, Preiselbeeren und zarte Blütennoten.

Im Trunk kommt eine ansprechende Schärfe zum Tragen. Wir identifizieren Piment, Ingwer und den sehr speziellen Pfeffer. Das Finale ist geprägt von einer eleganten Frische aus Hopfenölen und Minze. Der Schlussakkord ist feinherb; ganz Pilsener.

Imperial Pilsener

Schon der Anblick sagt: Ich bin kein Leichtgewicht. Sattes, stahlendes Gold, gedeckt weißer Schaum. Ölig haftet das Bier am Glasrand an.

Das komplexe Bukett besteht aus dem Duft von Apfelblüten und ausgereiften Äpfeln, etwa Cox Orange; Lychee, Reine Claude, getrocknetem Birnenschnitz, Rosmarin, Zitronengras, Edelkastanie und einem Hauch Bergamotte.

Der Antrunk ist ölig und vollmundig, die Rezenz übt sich in vornehmer Zurückhaltung. Das imperiale Pilsener zeigt sich am Gaumen weich, zugleich ziemlich gegenwärtig. Es lässt sich wunderbar antrinken, belohnt mit Erinnerungen an Aprikose, reife Äpfel und Birnen und eine fruchtige Bittere, die auf der Zunge tanzt. Reife Orangenaromen begleiten den Nachklang, der von formidabler Länge ist.

Nordic Pilsener

Dieses Bier eignet sich bestens, will man jemand den Stil „Norddeutsches Pilsener“ erklären. Es repräsentiert den Bierstil perfekt – vom visuellen Ersteindruck bis hin zum Schlussakkord des Nachtrunks.

Aus dem Pilsglas lachen helles, strahlendes Gold und ein weißer, feinporiger Schaum. Der Duft erweist sich als geradezu pilstypisch: Zuerst fein grasig und blumig, mit dem Aroma von Strohblumen, dann gelbe Quitte und frisch gebackenes Brioche.

Der Antrunk ist von feinperlige Spritzigkeit, der Trunk schlank und klar. Die nordische Bittere tritt schon im Antrunk auf, legt sich – an der Zungenspitze – rasch über den gemessen fruchtigen Körper.

Der Trunk ist saftig, ein Zug ohne Unterbrechung. Das lange nachschwingende Finish erinnert an eine frische Brise von der Elbe.