Radeberger, der größte Braukonzern Deutschlands und Teil der Doktor Oetker-Gruppe, gab die Schließung seiner Brauerei in Köln bekannt. Das sogenannte „Haus der Kölner Brautradition„, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1296 zurückreichen, ist eine der 14 Brauereien, die Radeberger im ganzen Land betreibt. Das Überbleibsel mehrerer, früher unabhängig agierender Brauereien hält Marken wie Sion, Gilden, Peters, Küppers, Sester, Kurfürsten und Dom.

In einem zweistufigen Prozess wird Radeberger die Produktion seiner Marken an Cölner Hofbräu P. Josef Früh, eine Brauerei in Feldkassel, im Norden von Köln, verlagern. Früh ist die zweitgrößte Brauerei im Kölner Raum mit einer jährlichen Produktion von rund 400.000 hl Bier; ihr Ausstoß wird in Köln nur von der Privat-Brauerei Heinrich Reissdorf mit einer geschätzten Produktion von mehr als 600.000 hl übertroffen.

Zunächst plant die Radeberger Gruppe bis Ende 2020 die Verlagerung der Abfüllung von Mehrwegflaschen samt dazugehöriger Logistik Früh. In einem zweiten Schritt sollen – bis Herbst 2021 – Fassabfüllung und Produktion folgen.

Marketing hier, Produktion da

„Radeberger wird seinen Brauereistandort in Köln Mülheim aufgeben, dort jedoch seinen Firmensitz – mit Marketingeinheiten – zunächst behalten“, so das Unternehmen in einer Presseerklärung. Der Produktions- und Logistikstandort von Cölner Hofbräu Früh sei dafür prädestiniert und werde im Gegenzug in den kommenden Monaten mit nachhaltigen Investitionen aufgewertet, um die zusätzlichen Volumina aufnehmen zu können, so die Presseerklärung.

Obwohl Radeberger in Dortmund eine weitere Brauerei besitzt, die nur rund 100 km von Köln entfernt liegt, kann das Unternehmen die Produktion seiner Kölsch-Biere nicht an diesen Standort verlagern. Seit 1997 ist der Begriff „Kölsch“ eine „Geschützte geografische Angabe (ggA)“ innerhalb der Europäischen Union.

Dr. Niels Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Radeberger-Gruppe philosophierte über gedankliche Zwänge. Wenn mehrere Brauereien in derselben Stadt Produktionsstätten ähnlicher Größe mit jeweils hohem Investitions- und Wartungsbedarf hätten, müsste man fast zwangsläufig pragmatisch über eine zukunftsorientierte gemeinsame Nutzung dieser Anlagen nachdenken.

Fest liiert in einem sogenannten fairem Wettbewerb

Das wirkt wie ein Kommunikations-Kabarett: Radeberger, die deutsche Brau-Macht Nummer Eins, will uns weismachen, dass die beiden Brauereien nur in den Bereichen Produktion, Abfüllung und Logistik eng zusammenarbeiten, in allen anderen Bereichen (etwa Markenführung oder Vertrieb) einen „fairen Wettbewerb“ führen sollen. Wir brauchen kein zweites Gesicht, um jetzt schon sagen zu können: Der Rest der Kölner Brauereien wird sich warm anziehen müssen, um gegen diese machtvolle Allianz bestehen zu können.

Der „Kooperations-Vertrag“, der „bewusst auf bisher bekannte und bevorzugte Kauf- und Investitionsmodelle verzichtet„, wurde am 10. April 2019 unterzeichnet.