Warsteiner kommt nicht zur Ruhe. Wir bringen weiter unten unseren Kommentar vom 7. September 2017 zum damaligen Amtsantritt der neuen (Strategie-) Chefin. Laut diversen Meldungen gab sie bekannt, das Unternehmen im Januar 2019 auf eigenen Wunsch zu verlassen. Nach einer Erklärung von Warsteiner ist der Ausstieg von Cama schon seit einiger Zeit geplant. Die Ankündigung dürfte jedoch jedoch für die meisten Mitarbeiter und Kunden eine Überraschung gewesen sein. Sie hatten erwartet, dass Cama länger an der Spitze von Warsteiner bleiben würde, um das Unternehmen durch den schwierigen Übergangs- und Rationalisierungsprozess zu führen.

Ihr Nachfolger wird der bisherige CFO Christian Gieselmann sein, der ebenfalls erst kurz bei Warsteiner arbeitet. Auch er kam von Roland Berger. Gieselmann war Teil des Restrukturierungsteams von Roland Berger beim Pasta-Produzenten Barilla. Er war von 2010 bis 2013 COO des deutschen Marktführers für industrielle Backwaren, Lieken, einer Tochtergesellschaft von Barilla, bevor er zu 2015 zu Roland Berger in Berlin zurückkehrte.

Dem Vernehmen nach wird der 47 jährige Gieselmann Sprecher der Geschäftsführung mit Verantwortung für Marketing und Vertrieb.

Nun zu unserem Kommentar aus dem Vorjahr

Fernsehbiere im Sinkflug (7. September 2017)

Alessandra Cama (50) übernimmt zum ersten Oktober den neu geschaffenen Bereich „Strategie und Unternehmensentwicklung“.

Alarmstufe Rot im Sauerland: Warsteiner holt Roland Berger, die Unternehmensberatungs-Firma an Bord. Ob das die richtige Entscheidung ist, wird sich zeigen. Denn wurde damit ein Berater engagiert, der sich in der Bierkultur wirklich auskennt?

Dass in Deutschlands ehemals größter Brauerei die Nerven blank liegen, hat schon die Einführung der Sorte „Herb“ gezeigt. Damit hatte die Brauerei einen Offenbarungseid geleistet; zugegeben, dass ihr sogenanntes „Pils“ an (eigentlich sortentypischer) Herbe massiv zu wünschen übrig lässt. Diese Einführung wäre auf der Basis tiefgehender Bierkultur-Kompetenz niemals gefallen.

Wenn man den im Soester Anzeiger zitierten Worte des Warsteiner-Geschäftsführer Carsten Rockholtz lauscht, kann man sich vorstellen was geplant ist. Die Aussagen passen auch zum Engagement dieser Beraterfirma. Von „Kosteneinsparung“, „Verschlankung“ und „Absatz-Ankurbeln“ ist die Rede. Wir befürchten somit, dass die Massen-Marke noch mehr unter rücksichtslosem Ausspielen der noch vorhandenen Marktmacht gegen die kleinen, hochwertige Biere herstellenden, Privatbrauereien vorgehen wird.

Dabei ist wohl der Stern der mit Hochgeschwindigkeit durch die Anlagen geschliffenen Industriebiere am Sinken. Seitdem Begriffe wie „Craft“ oder „Slow Brewing“ eine (wenn auch mengenmäßig kleine) Rolle am Markt spielen, erkennen immer mehr Konsument*innen den Unterschied zwischen sorgsam und mit höchstwertigen Rohstoffen eingebrauten Bieren und Industrie-Produkten.

Seit Jahren versucht Warsteiner an den alten Nimbus anzuknüpfen, aber das würde nach unserer Überzeugung nur mit einer ernsthaften Wende – hin zu höchstwertigen Produkten und Fairness am Markt möglich sein. Also eher dem Gegenteil vom angekündigten Spar- und Angriffs-Kurs.

Wir fürchten, dass Warsteiner mit dem auf drei Jahre ausgelegten Programm dem Bier-Image ganz allgemein schaden könnte. Die Panik ist zwar nachvollziehbar, Minus 7 % Im vor-vorigen Jahr, Minus 4 % im Vorjahr und auch heuer liegen die Zahlen schlecht: Im ersten Halbjahr betrug der Rückgang erneut 5 % zum Vorjahr. Mit Diskont und dem brutalen Ausspielen der übergebliebenen Marktmacht ist dieser Abwärtstrend nicht aufzuhalten.

Es ist nur gut, zu wissen, dass es auch Brauereien gibt, die einen deutlichen Aufwärstrend verzeichnen. Sie punkten mit höchster Produktqualität; wertvollen Rohstoffen (dem Gegenteil von „Verschlankung“); handwerklicher Braukunst; Zeit, als „fünftem Rohstoff“ und Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Vier Millionen Hektoliter (ungefähr so viel sind es immer noch bei Warsteiner) sind ja nicht gerade wenig. Mit einer derartigen Ausstoßmenge ließe sich mehr anstellen, als „Verschlanken“ oder „Absatz-ankurbeln“. Aber vielleicht hat ja Alessandra Cama das im Sinn? die 50 jährige ist sicher eine echte Bier-Frau. Nein? Aha, sie kommt vom GfK, davor war sie bei – Roland Berger. Ihre Geschäftsführungskollegen heißen Martin Hötzel (Vertrieb und Marketing), Peter Himmelsbach (Technik) und Dr. Carsten Rockholtz (Finanzen). Ein Ressort „Bierkultur“ wird man also auch in nächster Zukunft bei Warsteiner vermissen. (Der Biersepp)

Das finance-magazine hat im Februar 2018 über Gieselmanns Bestellung zum CFO berichtet.