Die Brewers Association (BA) hat Änderungen an ihrer Definition für Craft Beer vorgeschlagen, um Mitgliedern mit einem großen Anteil von Nicht-Bier-Produkten – wie der Boston Beer Company (BBC) die weitere Mitgliedschaft in ihrer Organisation zu ermöglichen. Bislang muss ein Craft Brewer laut BA drei Kriterien erfüllen:

  • Klein“ (Das heißt, weniger als 6 Millionen Barrel = rund 7.15 Millionen Hektoliter ! produzieren),
  • Unabhängig (Konzerne oder Großindustrielle Brauereien dürfen maximal 24,99 % der Anteile besitzen)
  • Traditionell (ein Großteil des Getränke-Ausstoßes muss Bier sein, welches aus „traditionellen Brauzutaten“ hergestellt wird)

Zur Original Definition am Web der BA

Die nächste „Lex Koch“?

Die Boston Beer Company (Marke Samuel Adams, gegründet von Jim Koch) ist nach diesen Kriterien die zweitgrößte „handwerkliche“ Brauerei in den USA. Sie könnte nun den Craftbeer-Status verlieren, da sich der Produktmix des Unternehmens in den jüngsten Jahren deutlich verändert hat. Das Kriterium „traditionelle Zutaten“ wird nicht mehr voll erfüllt. Im Jahr 2017 produzierte die Boston Beer Company 2 Millionen Barrel Bier und 1,8 Millionen Barrel andere Getränke: Twisted Tea, Angry Orchard Cider und Truly Spiked & Sparkling Seltzers, blieb somit hart an der Grenze des geforderten Traditionsgebotes. Mit dem Rückgang im Bierverkauf von Samuel Adams, dem Flaggschiff der BBC, verschob sich die Balance der ausgestoßenen Produkte nun – zuungunsten der Bierprodukte. Damit würde die Boston Brewing Company nicht länger als von der Brewers Association definierter „Craft Brewer“ gelten.

Eine Änderung der Definition würde der Boston Beer Company der Craftbeer-Status und der Brewers Association die Beiträge eines sehr großen Mitgliedes erhalten. Boston Beer macht fast 8 Prozent des gesamten Craftbeer-Volumens aus und trägt maßgeblich zur Finanzierung der BA bei. Zudem wäre mit dem Wegfall des Boston Beer Ausstoßes ein beträchtlicher Teil des US-amerikanischen Craftbeer Volumens gestrichen.

2010: Obergrenze von 2 auf 6 Mio. Barrel erhöht

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine „Lex Koch“ die Boston Brewing Company vor dem Ausschluss von der BA retten würde. Bereits 2010 hat der BA die Definition zugunsten der BBC geändert. Bis zu diesem Zeitpunkt betrug die Obergrenze für die Größe eines Craft Brewers zwei Millionen Barrel pro Jahr, aber als die BBC diese Obergrenze erreichte, wurde die Obergrenze gleich auf sechs Millionen Barrel erhöht. Die Brewers Association hat tausend Mitglieder befragt und daraus folgende Information bezogen: Fast die Hälfte der Mitglieder stellt bereits jetzt Produkte her, die außerhalb des „Traditions-Kriteriums“ liegen; ein guter Teil weiterer Mitglieder plant die Herstellung solcher Getränke. Dabei handelt es sich um Cider, Met, Sake, Kombucha und ähnliches.

Das Traditions-Kriterium wurde im Februar 2014 schon einmal geändert.

Bis zu diesem Zeitpunkt musste eine Brauerei mindestens die Hälfte ihres Sortiments und vor allem ihr Flagship-Product ausschließlich aus Gerstenmalz (also nicht etwa aus Reis oder Mais) herstellen. Eine Regel gegen den Mitbewerb „Industriebier“. Diese Einschränkung wurde fallen gelassen und zeigte bereits einen ersten Schritt in jene Richtung, in die nun fortgeschritten werden soll.